Herz und Seele

Herz und Seele

Einer, ohne den der MTV 1860 Altlandsberg nicht denkbar, ohne den insbesondere die Handballabteilung des MTV nicht das wäre was sie ist, feiert heute seinen 80. Geburtstag: Wolfgang Zielke.

Für Leute wie Wolfgang Zielke sind Begriffe wie Urgestein oder Legende erfunden worden, allerdings ohne dass sie in der Lage wären, den Menschen Wolfgang Zielke auch nur annähernd zu beschreiben, seinen Charakter auch nur ansatzweise zu erfassen, seiner Bedeutung für den MTV-Handball auch nur ahnungsvoll gerecht zu werden. Oder um es mit den Worten des MTV-Vorsitzenden André Witkowski zu sagen: “Wenn wir beim MTV von Tradition sprechen, dann ist Wolfgang ein ganz maßgeblicher Teil dieses Fundaments.”

Wolfgang Zielke ist in der Wolle gefärbter Altlandsberger, selbst wenn er zwischendurch in Fredersdorf gewohnt hat und heute in Eggersdorf lebt. In Altlandsberg wurde er am 25. Dezember 1937 geboren, in Altlandsberg ist er zur Schule gegangen, in Altlandsberg ist sein Verein beheimatet. Dem MTV gehört er seit nunmehr 66 Jahren an, ist längst dessen Ehrenmitglied. Und es gibt eigentlich nichts, das Wolfgang Zielke für seinen MTV nicht schon gemacht hätte. Nicht zuletzt war er – gemeinsam mit seinem jüngsten Bruder Peter und André Witkowski – maßgeblich dafür verantwortlich, dass nach der Wende aus der BSG Traktor Altlandsberg der MTV 1860 Altlandsberg wurde.

Wolfgang Zielke war auf dem Großfeld und in der Halle aktiv. Gemeinsam mit seinem Bruder Manfred wurde er zwei Mal Bezirksmeister und zweifacher DDR-Vizemeister der A-Jugend. Er war mehrfacher Bezirksmeister der Männer und zählte zur Bezirksauswahl. Mit der absolvierte er sogar Länderspiele, etwa gegen Frankreich und Brasilien. Gemeinsam mit Peter Zielke trainierte er jahrelang die männliche Jugend der Abteilung. Im Kreisspielbetrieb war er als Schiedsrichter unterwegs. Und selbst vor dem Funktionärsdasein im Dienste seines MTV schreckte er nicht zurück, war abermals jahrelang Mitglied der Abteilungsleitung Handball.

Vor allem aber war und ist Wolfgang Zielke ein Mann der Altlandsberger 1. Herren. Selbst gespielt hat er bis 1991. Richtig, seine aktive Zeit endete im zarten Alter von 54 Jahren, weshalb er sogar noch mit André Witkowski auf der Platte stand: “Wahrscheinlich haben Wolfgang und ich den ersten Kempa in Altlandsberg zur Aufführung gebracht. Als Spieler kannte Wolfgang einfach keinen Schmerz und nur ein Ziel: den Erfolg unseres MTV. Auch in schwierigen Tagen, wie den 70ern und 80ern, als es der BSG Traktor wirklich nicht gut ging. Und dann wieder nach der Einweihung der Erlengrundhalle 1999, als die 1. Herrenmannschaft zu zerbrechen drohte. Ich will mir gar nicht vorstellen, wo wir heute stünden, ohne Wolfgangs Treue und Integrität.”

Heutigen Fans ist Wolfgang Zielke vor allem als Betreuer des Teams präsent. Eine Aufgabe, die er, abgesehen von kürzeren, privat motivierten Unterbrechungen, nun auch schon seit 1995 wahrnimmt. Die Trainer – Peter Zielke, Thomas Herold, Thomas Hasselbach, Wolfgang Rielke, Andreas Mahler, Frank Olschewski, André Witkowski, Rainer Untermann, Sven Gericke, Ferenc Remes, Tilo Leibrich – kamen und gingen, Wolfgang Zielke blieb; und hatte die 1. Herren von 1960 bis 1975 übrigens bereits selbst als Spielertrainer betreut . Einmal verabschiedete er sich in den Ruhestand. Aber das untaugliche Experiment wurde alsbald wieder abgebrochen.

Wolfgang Zielke ist der erste, der betont, dass er (wie seine zwei jüngeren Brüder Manfred und Peter), alles dem Beispiel seiner Eltern verdankt, beide selbst aktive Handballer und Leichtathleten. Der Vater verlor in den letzten Kriegstagen beide Beine oberhalb der Knie und sein erster Weg als Invalide führte mit den drei Jungs zum Sportplatz am Bollensdorfer Weg. Er trainierte sie als Leichathleten und natürlich als Handballer – und lebte ihnen vor, dass das eigene Leben immer das ist, was man willens ist daraus zu machen. Wolfgang Zielkes Lebensmotto? “Niemals aufgeben! Am Ende des Tunnels ist immer Licht!”

Vor der Lebensleistung Wolfgang Zielkes können die Nachbeorenen nur den Hut ziehen. Auch weil er sie in deutlich schwierigeren Zeiten erbracht hat, als denen, in denen wir heute zu leben das Glück haben. Aber Wolfgang Zielke hat sich nie beklagt. Er hat sein Leben in die Hand genommen, hat erst eine Maurerlehre und gleich darauf ein Ingenieurstudium absolviert, war Betriebsleiter der Außenstelle Strausberg des Wohnungsbaukombinats Frankfurt/Oder. Er hat seine Annemarie geheiratet und die gemeinsame Tochter Cornelia ist bis heute bei jedem Heimspiel der 1. Herren in der Erlengrundhalle anzutreffen.

Trotz oder vielleicht gerade wegen dieses reichen Lebens verwendet Wolfgang Zielke ungemein große Anstrengungen darauf, sich keinesfalls und in keiner nur erdenklichen Weise in den Vordergrund zu spielen. In unserer Zeit lauter Ich-AGs laufen solche Menschen stets Gefahr, übersehen oder gar für unwichtig gehalten zu werten. Es zeichnet ihn zusätzlich aus, dass ihm auch das im Zweifel so egal ist wie der berüchtigte Sack Reis in China. Wolfgang Zielke ist – um ein etwas aus der Mode geratenes Wort zu verwenden – ein Vorbild!

Beim MTV 1860 Altlandsberg gibt es jedenfalls niemanden, der Wolfgang Zielke übersehen oder ihn gar für unwichtig halten würde. Alle in seinem Verein, dessen Herz und Seele er personifiziert, wünschen Wolfgang Zielke alles erdenklich Edle, Schöne und Gute, alles Glück und alle Gesundheit dieser Welt.

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