Biss und Charakter

Biss und Charakter

Die Drittligadamen des MTV 1860 Altlandsberg schlagen die noch amtierenden Meisterinnen des TV Oyten mit 32:30 (17:12) und wahren damit die Chance, den den Klassenerhalt sichernden neunten Tabellenplatz zu erreichen – nicht zuletzt weil die Mädels in grün-weiss unbändigen Kampfgeist an den Tag legten und dank einer herausragenden Energieleistung der gesundheitlich noch angeschlagenen Ann-Catrin Höbbel, die ganz allein für 13 der 32 Treffer ihres Teams verantwortlich zeichnete.

Das hatte es bei einem Drittligaspiel der MTV-Damen schon lange nicht mehr gegeben: Zwei Minuten vor Abpfiff erhob sich die Erlengrundhalle und begleitete die letzten Aktionen der Spielerinnen mit anhaltenden Ovationen. Den Fans der Grün-Weißen war die Erleichterung anzumerken, dies endlich wieder tun zu können. Ihnen war aber ebenso die aufrichtige Begeisterung anzusehen, mit der sie ihren Mädels zujubelten. Die Mannschaft hatte Biss gezeigt. Sie hatte trotz des enormen Drucks, der auf ihren Schultern lastete, Charakter gezeigt. Und sie hatte gewonnen.

Die Grundlage für den Erfolg legten die Schützlinge von MTV-Coach Sebastian Grenz bereits im ersten Durchgang. Sie lagen rasch mit 2:0 vorn und beinahe ebenso rasch mit 2:4 hinten. Aber anders als in zu vielen Begegnungen zuvor, ließen sich die Altlandsbergerinnen den Schneid an diesem Abend nicht abkaufen und im weiteren Verlauf der Partie auch keine Oytener Führung mehr zu. Das 8:8 in der 14. Minute war zugleich der letzte Gleichstand der Partie. Fundament dieses Altlandsberger Widerstandsgeistes waren Torhüterin Yania Silva Alfonso, an der sich die Oytener Werferinnen immer wieder mehr als nur einen Zahn ausbissen, und Ann-Catrin Höbbel, die in der zweiten Hälfte des ersten Durchgangs beinahe im Alleingang dafür sorgte, dass aus dem 8:8 die heftig umjubelte 17:12 MTV-Pausenführung wurde.

Allerdings sind die Mädels des TV Oyten alles andere als die sprichwörtliche Laufkundschaft. Obwohl mit nur mit acht Feldspielerinnen angereist, dachten sie gar nicht daran, angesichts dieses fünf-Tore-Rückstandes in irgendeiner Weise aufzustecken. Zwar mussten sie gleich zu Beginn des zweiten Durchgangs das Altlandsberger 18:12 und damit die höchste Führung der Gastgeberinnen hinnehmen, ab da aber machten sie sich ans Aufholen. Bereits nach neun Minuten in der zweiten Halbzeit konnten die Gästinnen den ersten Anschlusstreffer feiern (18:19). Es sollten noch vier weitere folgen.

Gefährlicher wurde es an diesem Abend für die MTV-Damen-Equipe aber nicht. “Das ist, ws mich mindestens so sehr freut wie unser Sieg selbst”, gab der Altlandsberger Übungsleiter nach Ende der Partie freudestrahlend zu Protokoll. “Selbst als die scheinbar so bequeme fünf Tore Führung weg war und die Sache mehrmals eng wurde, hat meine Mannschaft eisernen Siegeswillen gezeigt. Es gab keine einzige auf dem Feld, die nicht mit allen Mittel dafür gekämpft hätte, dass wir dieses Spiel gewinnen. Es war dieser Kampfgeist, der auch auf die Tribünen übergeschwappt ist und von ihnen wieder aufs Feld reflektiert wurde. Fans und Mannschaft haben sich gegenseitig beflügelt und letztlich verdient diesen Erfolg eingefahren.”

Wobei man nicht nur die Goal-Getterinnen wie Ann-Catrin Höbbel (13, davon drei Sieben-Meter); Martyna Rupp (8), aber auch Marlene Steffen (3 ganz wichtige und schöne Tore in der Schlussphase als Oyten das Spiel zu drehen drohte) mit Lob überhäufen muss. Vanja Smiljanic zum Beispiel war dieses Mal zwar kein eigener Treffer vergönnt, ging aber vor allem in der Abwehr derart kompromisslos zu Werke, dass es an ihr kaum einen Weg vorbei gab. Oder Sophia Mattisseck, die bei der Umstellung der Abwehr auf 5-1 im letzten Drittel der ersten Halbzeit so effektiv auf der Spitze agierte, dass sie ebenso einen gehörigen Anteil am Altlandsberger 17:12 zur Halbzeit hatte wie die Torschützinnen. Und dann gab es noch das Comeback von Jennifer Höft im Altlandsberger Tor zu feiern, die sich in der Schlussphase den Bällen der Gegnerinnen entgegenwarf und unter anderem mit einer Glanzparade den eigentlich sicheren Ausgleichstreffer verhinderte.

Zur Tragik der Situation der MTV-Damen gehört jedoch, dass sich an ihrer prekären Lage durch den Erfolg nichts geändert hat. Da Wattenbek in Schwerin am Sonntag mit 26:25 gewonnen hat, verbleibt der MTV trotz Punktgleicheit mit Schwerin auf Rang zehn und damit auf dem möglichen Relegationsplatz (hätte Schwerin gewonnen, hätten Watenbek und der MTV die Plätze getauscht). “Alles bleibt beim Alten, außer dass unser direkter Konkurrent um den direkten Klassenerhalt nicht mehr TSV Wattenbek, sondern SV Grün-Weiß Schwerin heißt”, fasst MTV-Teamchef Wolfram Eschenbach den nach wie vor unerfreulichen Stand der Dinge vor dem offiziell letzten Spieltag zusammen.

MTV:

Yania Silva Alfonso (Tor), Jennifer Höft (Tor), Tülay Bayram 1, Manja Berger, Christine Miniers 2, Tina Stehlik 1, Ann-Catrin Höbbel 13/3, Sophia Mattisseck, Bernadet Mudri 1, Martyna Rupp 8. Vanja Smiljanic, Marlene Steffen 3, Lucyna Trzczak 3.

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