Beschönigung nicht möglich

Beschönigung nicht möglich

Die MTV-Drittligadamen unterliegen zu Hause dem SV Grün-Weiß Schwerin mit 25:34 (13:19) – ein für alle Altlandsberger extrem enttäuschendes Ergebnis, das die Verantwortlichen zu einschneidenden Schritten zwingt.

Das Prinzip „Weil nicht sein kann, was nicht sein darf“ ist im Sport keine Kategorie. Das mussten die Altlandsberger Handballerinnen gerade auf der heimischen Platte auf die harte Tour erfahren. Die Partie gegen die Vertretung des SV Grün-Weiß Schwerin, die auf keinen Fall hätte verloren werden dürfen, ging verloren. Sie ging nicht knapp, sondern sehr deutlich verloren. Und sie ging nicht unglücklich, sondern verdient verloren. Beschönigung verbietet sich. Dieser Auftritt der 1. Damenmannschaft des MTV 1860 Altlandsberg war nicht drittligareif.

Altlandsbergs Coach Andy Nötzel, zögerte keine Sekunde, um die Verantwortung dafür zu überehmen: „Ich war felsenfest davon überzeugt, dass wir dieses Spiel heute gewinnen. Dass uns das nicht gelungen ist, nehme ich voll und ganz auf meine Kappe. Es war heute unschwer zu erkennen, dass ich meine Spielerinnen mental nicht mehr erreiche. Ich weiß, dass die Mannschaft mehr kann als sie bisher in dieser Saison und insbesondere heute gegen die Aufsteigerinnen aus Schwerin gezeigt hat. Allerdings scheine ich nicht der Trainer zu sein, den das Team zurzeit benötigt, um die richtigen Reizpunkte und notwendigen Impulse zu setzen und das wahre Leistungsvermögen der Mädels abzurufen.“

Deshalb hat sich Andy Nötzel mit der Abteilungsleitung des MTV 1860 Altlandsberg einvernehmlich darauf geeinigt, seinen nominell bis zum Ende der Saison laufenden Vertrag mit sofortiger Wirkung aufzulösen. „Der heutige Spielverlauf belegt leider, dass diese Entscheidung, so schwer sie mir gefallen ist, die einzig mögliche und die einzig richtige ist“, erläutert Andy Nötzel seine Beweggründe, betont allerdings zugleich, dass „ich diese Entscheidung für mich bereits vor der heutigen Partie und unabhängig von ihrem Ausgang getroffen habe. Mein Dank gilt dem ganzen MTV für die permanente Unterstützung und insbesondere Thomas Klatt und Wolfram Eschenbach für das mir entgegengebrachte Vertrauen.“

Allein die Tatsache, wie professionell Andy Nötzel die aktuelle Situation im Team analysiert und ohne Zögern und ohne Rücksicht auf die eigene Person daraus die Konsequenz gezogen hat, belegt, dass es kein Fehler der Abteilungsleitung gewesen ist, Andy auch für diese Saison die 1. Damenmannschaft des MTV anzuvertrauen“, zieht der 1. Vorsitzende des MTV 1860 Altlandsberg, André Witkowski, den Hut vor dem nun ehemaligen Damencoach. „Er ist menschlich ebenso sympathisch wie charakterlich integer und trotz der aktuell notwendig gewordenen Schritte, steht es für mich außer Frage, dass Andy Nötzel ein Trainer mit großer Zukunft ist. Auch wenn er sich jetzt verständlicher Weise etwas zurück ziehen will, lege ich besonderen Wert darauf zu betonen, dass für Andy Nötzel beim MTV die Türen weiter offen stehen werden.“

Und auch Handballabteilungsleiter Thomas Klatt bedankte sich bei Andy Nötzel sowohl für die heute an den Tag gelegte Haltung wie für seine bisherigen Dienste im Namen der gesamten Abteilung. „Das augenblickliche Tief darf und kann nicht vergessen machen, dass Andy die Mannschaft während der laufenden letzten Saison von mir übernommen und, nach den beiden Aufsteigern Füchse und Kirchhof, auf Platz 3 der Tabelle geführt hat. Niemand wird in dieser 3.Liga zufällig Dritter.“

Weshalb der Mannschaftsverantwortliche Wolfram Eschenbach, gerade angesichts der einschneidenden Schritte Andy Nötzels, die Spielerinnen nicht aus der Verantwortung für die heutige Minderleistung entlassen möchte: „Insbesondere die Abwehrleistung, wobei Leistung hier der definitiv falsche Begriff ist, kann ich mir einfach nicht erklären. Die Schwerinerinnen haben das was sie können, optimal umgesetzt und wir haben nichts, aber auch gar nichts dagegen unternommen. Ich erwarte hier auch von jeder einzelnen Spielerin in sich zu gehen und darüber nachzudenken, wie wir nach dem heutigen, extrem ernüchternden Spiel, alle gemeinsam den Schalter umlegen und dieser Auftritt später als Zäsur zum Besseren in die Annalen der Saison 2017/18 eingehen wird.“

Hinter den Kulissen des MTV laufen die Räder namens „Trainersuche“ jedenfalls bereits heiß. Nächstes Wochenende führt der Spielplan die Altlandsberger Damen zum VfL Stade und damit zur einzigen Mannschaft in der Nordstaffel der 3. Liga, die tatsächlich noch schlechter in die Saison gestartet ist, als die Altlandsbergerinnen. „Es hilft alles nichts“, mahnt Wolfram Eschenbach, „unsere nächste Partie ist das absolute Kellerduell der Liga. Wir müssen diese Tatsache annehmen, wenn wir den Keller so rasch wie möglich wieder verlassen wollen.“

MTV:

Yania Silva Alfonso (Tor), Elia García Cañabate (Tor), Tülay Bayram 1, Josephine Dähne 2/1, Ann-Catrin Höbbel 4/1, Sophia Mattisseck, Christine Miniers 2/1, Bernadet Mudri 3, Lavinia Poterasi 4, Martyna Rupp 6, Vanja Smiljanic, Marlene Steffen, Lucyna Trzczak 2, Melanie Wüstner 1.

Drucke diesen Beitrag

Leave a Reply