Bergest bei Benke

Bergfest bei Benke

Die Vorrundenbegegnungen beim 60. Erwin-Benke-Turnier um den Erlengrundcup der Frauen 2017 sind gespielt. Manche Erwartungen wurden bestätigt, einige wenige enttäuscht und die ein oder andere übertroffen. Das Teilnehmerfeld hat sich vor dem Finaltag geordnet.

Nein, nicht die Füchse Berlin haben sich nach den beiden Vorrundenpartien als herausragender Favorit auf den Pokalgewinn und damit auf die Nachfolge der Seriensiegerinnen der letzten Jahre, HSG Blomberg-Lippe, herauskristallisiert. Dass da ein hervorragedes junges Team im Werden auf der Platte agiert, steht völlig außer Frage. Managerin Britta Lorenz und Coach Christian Schücke haben um feste Größen wie Anna Eber oder Anna Blödorn bemerkenswerte junge Talente geschart, von denen ein paar, wie Fabienne Kunde und Laura Sposato, gerade erst 18 geworden sind. Wenn dieses Team die notwendige Zeit bekommt, um wirklich zusammen zu finden, wird es sich in den Hallen dieser Welt viel Respekt erspielen. Die ebenfalls verjüngte Drittligatrupe des Frankfurter HC schlugen die Berlinerinnen nach 50 Minuten Spielzeit bereits am ersten Benke-Tag zwar deutlich aber nicht leichtfüßig mit 27:21 (15:10). Und die dänische Best-Of-Truppe aus dem Süderjütland Sönderjysk/E zeigte den Berlinerinnen unbarmherzig wo derzeit für die Hauptstädterinnen die Grenzen gezogen sind. 30:19 für die Däninen hieß es am Ende nach 16:12 zur Halbzeit.

Sollte Sönderjysk/E (das E steht nicht zufällig und schon gar nicht irreführend für Elitesport) die Form des heutigen Samstag am Sonntag auch nur halten, tritt man wohl keinem anderen Team zu Nahe, wenn man die Süddäninen als klare Favoritinnen auf den Pot sieht. Der Tempohandball, den vor allem die erste Sechs von Trainer Olivera Kecman aufs Parkett bringt, ist nicht nur aufgrund der Geschwindigkeit, in der die ganze Truppe im Angriff wie eine Phalanx nach vorne stürmt, beeindruckend. Dass unter diesem Tempo weder das blinde Verständnis füreinander, noch die Exaktheit der Zuspiele leidet, ist das eigentliche Geheimnis der Stärke dieses Teams. Und selbst diese erste Sechs wird in Sachen Passspiel von ihrer Torhüterin Claudia Rompen in den Schatten gestellt. Kann man nicht beschreiben. Muss man gesehen haben. Zum Niederknien. Der Chronistenpflicht halber sei erwähnt, dass dem dänischen 30:19 gegen die Füchse, ein 36:15 gegen den Frankfurter HC folgte.

Unsere Gäste und Nachbarn aus dem Süden, HIB Handball Graz, werden diesen ersten Benke-Tag wohl gedanklich schon abgeschrieben haben. Erst unterlagen die Österreicherinnen der schweizer Vertretung GC Amiticia Zürich im Eröffnungsmatch mit 23:12 (12:6). Dann folgte eine 19:24 Niederlage gegen die gastgebenden MTV-Damen. Finalspiele verpasst, am Sonntag soll es Schadensbegrenzung gegen den FHC geben. Ganz anders die Stimmung bei den Züricher Mädels. Dem, etwas mühsamen, Sieg gegen Graz folgte ein überraschend deutlicher mit 25:15 (11:7) gegen den MTV. Sie ziehen, ebenso wie die Däninen, unbesiegt in die Finalpartien.

Wohingegen die junge Mannschaft des Frankfurter HC die Gefühlslage der Grazerinnen teilen wird. 21:27 gegen die Spreefüxxe, 15:36 gegen Sonderjysk/E. Kein Halbfinale. Stattdessen die Spiele um Platz 5 oder 6 gegen Graz. Aber die Truppe, die nicht nur nicht mehr von ihrem gefühlten Dauercoach Olympiasieger Dietmar Schmidt, sondern auch zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte mit Daniela Filip von einer Frau trainiert wird, zu unterschätzen wäre mehr als leichtfertig, dafür ist dort einfach zu viel Talent vereint. Die Torhüterin zum Beispiel, die nach der Dänin am nachhaltigsten auf sich aufmerksam gemacht hat, heißt Ronja Nühse und steht beim FHC zwischen den Pfosten.

Dort stand bis zur vergangenen Saison Yania Silva Alonso, die nun zum MTV zurükgekehrt ist. Und sie ist bereits jetzt ein verlässlicher Rückhalt der neu geformten Altlandsberger Drittligatruppe. Gegen Graz vereitelte sie vier Sieben-Meter und ansonsten alles was auch nur ansatzweise als haltbar zu bezeichnen war. Ein wenig, wenn auch eine Liga drunter, teilen die Schützlinge von MTV-Coach Andy Nötzel das Schicksal der Spreefüxxe: ein wilder Talentehaufen, der noch zu einem gut geölten Ganzen geformt werden muss. Eine Aufgabe, die nach Mandy Gramattkes mehr als unglükliche Verletzung im Spiel gegen Zürich nicht einfacher werden wird. Die vergleichsweise deutliche Niederlage gegen die Schweizerinnen erklärt sich auch aus dem Schock über den Ausfall ihrer Führungsspielerin. So stehen beim MTV Licht und Schatten eng nebeneinander. Mit einem Sieg und einer Niederlage stehen die Grün-Weißen nämlich tatsächlich im Halbfinale. Und ganz gleich wie die morgigen Partien auch ausghen – im Halbfinale treffen die MTVlerinnen ausgerechnet auf die Däninen -, die Altlandbergerinnen haben bereits jetzt das beste Ergebnis beim heimischen Erwin-Benke-Turnier seit Jahren erreicht.

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