Altlandsberg international

Altlandsberg international

Am kommenden Wochenende (12. und 13. August) feiern sechs Mannschaften aus vier Ländern gemeinsam mit ihren Fans und vielen weiteren Handballbegeisterten aus Altlandsberg und Umgebung das erste große Handballfest noch ehe die Saison 2017/18 überhaupt begonnen hat: Die sage und schreibe 60. Auflage des Erwin-Benke-Turniers. Es ist das traditionsreichste Damenhandball-Turnier Deutschlands.

Ob Erwin Benke etwas von der Langlebigkeit „seines“ Turniers ahnte, als er es 1956 als Rangsdorfer Frauenturnier aus der Taufe hob? Als Benke, der seine Lokomotive-Damen zwei Mal zur DDR-Meisterschaft führte und sich um Lokomotive Rangsdorf im Besonderen und um den Handball im Allgemeinen so nachhaltig verdient gemacht hat, dass er vom Bundespräsidenten mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, 2002 nach langer Krankheit leider verstarb, gab es das Turnier jedenfalls noch und es gab keine zwei Meinungen, dass es künftig seinen Namen tragen sollte.

Gefährdet war dieses Traditionsturnier eigentlich nur als es 2012 und 2013 gleich zwei Mal hintereinander ausfallen musste, auch weil sich kein Ausrichter fand, der in der Lage gewesen wäre, diese Herkulesaufgabe zu schultern. In dieser Situation ist der MTV 1860 Altlandsberg 2014, zunächst gemeinsam mit dem Frankfurter HC, und bis heute mit nachhaltiger Unterstützung des Handball-Verbandes Brandenburg in die Bresche gesprungen. „Das kostet uns alle beim MTV, gerade so kurz vor Saisonstart mit einer Frauenmannschaft in der 3. Liga und einer Männermannschaft in der Oberliga Ostsee-Spree, natürlich viel Kraft“, räumt Abteilungsleiter Thomas Klatt ein, um aber gleich darauf zu betonen: „Dennoch erfüllt es uns alle mit Stolz dieses so traditionsreiche Turnier vorbereiten und durchführen zu dürfen. Wir wollen damit nicht zuletzt, den Namensstifter und sein Engagement für unseren Sport ehren.“

Man weiß es natürlich nicht, aber die Annahme liegt nahe, dass Erwin Benke davon begeistert gewesen wäre, zu welch anerkanntem Vorbereitungsturnier sich seine Schöpfung inzwischen entwickelt hat. Das Erwin-Benke-Turnier um den Erlengrundcup der Frauen und mit ihm Altlandsberg sind längst auch für Topteams aus dem Ausland eine erste Adresse.

Wie es der Zufall aber so will, mussten leider ausgerechnet zum 60. Jubiläum liebgewordene Gäste ihre Teilnahme absagen. „Auf die Damen aus Amsterdam und Prag sowie auf die Sereiensiegerinnen der letzten drei Turniere aus Blomberg müssen wir in diesem Jahr leider verzichten. Das ist natürlich sehr schade, denn hier sind über die Jahre auch Freundschaften entstanden. Aber manchmal passt ein Termin eben nicht in den Vorbereitungsplan eines Vereins und dann ist das eben so.“, erläutert Wolfram Eschenbach, der sich auch dieses Jahr die Turnierleitung mit Wolfgang Hartisch (Vizepräsident für Entwicklung und Breitensport des HVB) und Rico Bär teilt. „Umso glücklicher sind wir, mit GC Amiticia Zürich aus der Schweiz, SönderjyskElitesport A/S aus Dänemark und HIB Handball Graz aus Österreich nicht nur adäquaten Ersatz gefunden zu haben, sondern hoch interessante und höchst ambitionierte Teams ganz eigenen Rechts präsentieren zu können.“

Altlandsberg international bedeutet aber nicht, dass es für den eher lokal orientierten Handballfan in der Erlengrundhalle am Wochenende nichts interessantes zu entdecken gäbe. Denn mit dem diesjährigen Teilnehmerfeld ist der alte Öko-Slogan „international denken, lokal handeln“ gewissermaßen eins zu eins umgesetzt. Die deutschen Teilnehmerinnen sind die Füchse Berlin, die gerade erst die 3. Liga in Richtung Zweite Bundesliga verlassen haben, der Frankfurter HC und last but not least, die Gastgeberinnen des MTV 1860 Altlandsberg. Mit anderen Worten: Garantiert prickelnde Derbystimmung in der Erle. Zumal da aus der vergangenen gemeinsamen Drittligasaison noch die eine oder andere – selbstverständlich rein sportliche! – Rechnung offen sein dürfte.

Für die MTV-Damen ist das Erwin-Benke-Turnier um den Erlengrundcup der Frauen natürlich auch darüber hinaus von ganz besonderer Bedeutung. Es stellt auch dieses Jahr die erste Gelegenheit für die Fans dar, das neu zusammen gesetzte Team live, in Farbe und unter Wettkampfbedingungen in Augenschein zu nehmen. Umgekehrt ist es auch die erste Gelegenheit für die Mädels, sich ihren Fans und Sponsoren als Einheit zu präsentieren. Und natürlich versuchen alle daraus irgendwelche Schlüsse im Hinblick auf Verlauf und Ergebnis der kommenden Saison zu ziehen.

Ist das reell? Ist das fair? Wahrscheinlich nicht. Aber es ist nur natürlich und gehört zu dem Druck, mit dem das Team und das Team hinter dem Team in der 3. Liga zurecht kommen können müssen. Das gilt auch und gerade für die Neuzugänge in grün-weiß. Und neu ist in der Altlandsberger Equipe so einiges. Der langjährige Star der Truppe, Sophie Lütke, ist weg in Richtung Halle-Neustadt und Zweite Bundesliga. Aber nicht nur sie, auch Lusia Ludewig, Monique Günther, Katharina Pavlovic sowie die beiden Torhüterinnen Jennifer Höft und Jenny Hass gehören nicht mehr zur Mannschaft.

An ihre Stelle treten nun Josephine Dähne (zuvor Spreefüxxe), Ann-Cathrin Höbbel (zuvor Berliner TSC), Lavinia Poterasi (zuvor HC Burgenland), Sophia Mattisseck und Yania Silva Alonso (beide zuvor Frankfurter HC). Keine Frage, dass da noch an der Abstimmung untereinander gearbeitet werden muss, dass Laufwege aufeinander abgestimmt werden müssen. Mit einem Durchschnittsalter von exakt 22 Jahren ist das zudem eine der jüngsten MTV-Damenmannschaften, die sich jemals auf Tore- und Punktejagd gemacht haben. Das „Küken“ der Truppe, Melanie Wüstner, fiebert immer noch ihrem 18. Geburtstag entgegen. Da tragen erfahrene Spielerinnen wie Mandy Gramattke, Martyna Rupp und auch Lavinia Poterasi ein gerüttelt Maß an Mitverantwortung, aus diesem jungen Altlandsberger Talentehaufen ein funktionierendes Ganzes zu formen.

Gemeinsam mit und unter maßgeblicher Anleitung des Übungsleiters versteht sich. Andy Nötzel, der die Mannschaft im Laufe der letzten Saison nach den anfänglichen Turbulenzen auf der Trainerposition von Iterimscoach (und Abteilungsleiter) Thomas Klatt übernommen hatte, führte die Truppe in der Serie auf einen hervorragenden dritten Platz nach den Aufsteigern Füchse Berlin und SG 09 Kirchhof und noch vor der Blomberger Erstligareserve. Aber Nötzel ahnt, dass diese Saison 2017/18 die Probe aufs Exempel werden wird. Es ist die erste Saison, die sportlich von der Vorbereitung bis zum letzten Spieltag voll und ganz in seiner Verantwortung steht.

Nötzel: „Wir werden alles daran setzen, um im Turnier den bestmöglichen Eindruck bei unseren Fans, dem Publikum im Allgemeinen und natürlich auch bei unseren Sponsoren zu hinterlassen, denn ohne deren Engagement könnten wir alle hier unserer Leidenschaft auf diesem Niveau gar nicht nachgehen. Da spielt es eigentlich auch keine Rolle, dass das Erwin-Benke-Turnier, wie eigentlich immer, ein wenig zu früh kommt in unserem Vorbereitungsfahrplan.“

Der MTV-Coach legt auch Wert darauf, das nicht etwa als vorauseilende Rückversicherung verstanden zu wissen. „Vor allem auf die beiden möglichen Derbys gegen die Füchse und den FHC freue ich mich riesig und die Mannschaft wahrscheinlich noch viel mehr. Gegen unsere liebgewonnenen Dauerrivalinnen aus der Oderstadt haben wir in der letzten Saison alles gewonnen, ebenso hoch wie deutlich (36:20 und 27:17 in der Serie, 34:14 beim Endspiel des HVB-Pokalwettbewerbs). Daran soll sich nach Möglichkeit nichts ändern. Gegen die Füchse haben wir in der Serie alles verloren (20:25 in Berlin, zu Hause sogar mit 17:36). Vielleicht können wir daran ja ein bisschen was ausbessern. Zumal die Spreefüxxe auch unser erster Gegner in einem Pflichtspiel der neuen Saison sind: beim Auftakt des DHB-Pokals am 2. September um 19:30 Uhr in unserer Erle.“

Eine Aussage hinter der ein gerüttelt Maß Selbstvertrauen steckt. Denn angesichts des Spelplans ist es gar nicht so einfach, dass die MTV-Damen sowohl auf den FHC als auch auf die Spreefüxxe treffen. Angefangen damit, dass dazu keines der drei Teams in seiner Gruppe Letzter werden darf. Und falls doch, dann darf das aus Sicht der Grün-Weißen getrost als glückliches Omen gewertet werden. Denn zuletzt haben die MTV-Damen beim Benke-Turnier, ganz die vorbildlichen Gastgeberinnen, den anderen Teams den Vortritt gelassen. In der Regel folgte darauf ein ziemlich erfolgreicher Saisonstart.

Eintrittspreise:

Tageskarte :    8,00 € / ermäßigt: 6,00 €

Kombikarte : 12,00 € / ermäßigt: 8,00 €

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